Ethnologie
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Zurück nach Pakistan

Die politische Ökonomie der Emotionen in der Remigration

Die politische Diskussion über Flüchtlinge und Migration in Deutschland und gerade auch in Bayern dreht sich immer mehr um Abschiebungen. Die Abschiebung derjenigen, deren Asylantrag nicht anerkannt wurde, wird immer wieder zur Voraussetzung für das Asylrecht erklärt. Weil aus rechtlichen und praktischen Gründen aber nur wenige Abschiebungen durchgeführt werden können, versucht die Bundesregierung verstärkt, Menschen zur „freiwilligen“ Ausreise zu bewegen, indem sie ihnen einige hundert oder tausend Euro „Rückkehrprämie“ verspricht. Wenn gleichzeitig das Leben in Deutschland durch Arbeitsverbot und ständigen Druck immer schwieriger gemacht wird, ist die Grenze zwischen "freiwilliger" Rückkehr und Abschiebung fließend. Was geschieht mit den Menschen, die auf die eine oder andere Weise in ihr Herkunftsland zurückkehren? Das wird das Projekt am Beispiel Pakistans untersuchen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Migranten aus Pakistan in Deutschland stark gestiegen. Die wenigsten von ihnen haben Chancen auf Asyl.
Das Projekt zielt einerseits darauf, den unübersichtlichen „Dschungel“ der Rückkehrprogramme in Deutschland, die teils von der Regierung und teils von der EU finanziert werden, teils von lokalen Behörden und teils von der International Organization of Migration durchgeführt werden, speziell im Hinblick auf Pakistaner zu entwirren. Zum anderen geht es um die Situation der Rückkehrer in Pakistan. Wohin gehen sie? Gehen sie wieder in ihre Städte und Dörfer, zu ihren Familien, oder sind sie dort unerwünscht, weil sei als Versager gelten, für deren Reise sich ihre Verwandten teilweise stark verschuldet haben?
Migration ist nie ein rein „rationales“, „interessengeleitetes“ Phänomen. Migration, Remigration eingeschlossen, ist stark mit Emotionen verbunden. Das Projekt fokussiert daher auf die „politische Ökonomie der Emotionen“ in der Remigration, verstanden als Produktion, Austausch und Zirkulation von Emotionen im Gefüge von Beziehungen, Erfahrungen, Verpflichtungen und Erwartungen zwischen (Re-)Migranten, verwandtschaftlichen, lokalen und transnationalen Kontexten, sowie staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen. Es geht darum, die Motivationen, Erwartungen und Erfahrungen, die mit (Re)Migration einhergehen, zu untersucht, bezogen sowohl auf pakistanische Migranten in Deutschland, denen die Rückkehr bevorsteht, als auch auf Remigrierte, die schon in Pakistan angekommen sind. Schließlich will das Projekt die gesellschaftlichen Konsequenzen und Effekte der Abschiebung und/oder „freiwilligen“ Rückkehr in Pakistan erforschen, indem es das soziale Umfeld der Remigranten, seine ökonomischen und (lokal-)politischen Strukturen, und die in diesem Kontext produzierten und zirkulierenden Emotionen untersucht.

Projektteam: Prof. Dr. Martin Sökefeld (Projektleitung); Usman Mahar, MA (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

 

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (SO 435/14-1)


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