Ethnologie
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Saskia Brill M.A.

Saskia Brill, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin

Kontakt

LMU München
Institut für Ethnologie
Oettingenstr. 67
80538 München

Raum: 024
Telefon: +49 (0) 89 / 2180 - 9629

Beginn: SoSe 2016

Betreuung: Frau Prof. Dr. Eveline Dürr

Promotionsprojekt: RCC Promotionsprogramm „Environment and Society"

Working Papers in Social and Cultural Anthropology, Institut für Ethnologie (LMU), Band 16 (München, 2015): "Emissionshandel aus ethnologischer Perspektive: Treibhausgase als soziale Mittler in globalen Netzen" (pdf 1,5 MB)


Luft (ver-)handeln – Perzeptionen von Treibhausgasen in einem CO2-Ausgleichsprojekt in British Columbia

Seit bei der ersten großen Weltklimakonferenz in Genf 1979 erstmals die Auswirkungen einer zu hohen CO2-Konzentration in der Atmosphäre mit dem globalen Klimawandel in Verbindung gebracht wurden, sind Treibhausgase ins Licht politischen, wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Interesses getreten. Im Kyoto-Protokoll 1994 wurde der Handel mit Emissionsrechten als Maßnahme zur Verringerung des weltweiten CO2-Ausstoßes für die Industrienationen festgeschrieben. Um dieses neu geschaffene Gut entsteht ein weltweites Netz von Akteuren, Verbindungen, Abhängigkeiten, das unterschiedlichste Sichtweisen auf Kohlenstoff als Ware, klimatische Bedrohung, Energieträger und Lebensgrundlage deutliche werden lässt und zueinander in Beziehung setzt.

Anhand eines Emissionseinsparungsprojekts im Nordwesten Kanadas, an der Pazifikküste des Great Bear Rainforests in British Columbia, möchte ich aufzeigen, wie CO2 als Ware und politischer Akteur neue Wirtschaftspraktiken schafft und diese in bestehende Naturkulturen eingebettet werden. Der Great Bear Rainforest gilt mit 64.000 km2 als größter Regenwald der Erde in gemäßigtem Klima und enthält damit ein Viertel des entsprechenden Ökosystems weltweit. 2006 wurde, nach langjährigen Verhandlungen und Auseinandersetzungen ein Abkommen zwischen der Regierung von British Columbia, den First Nations, Umweltverbänden, lokalen Gemeinden sowie der Holzindustrie verabschiedet, das den langfristigen Schutz des Regenwaldes sicherstellen sollte. Als Folge dessen wurde ein Übergang von extensiver Holzwirtschaft zu einem Wirtschaften mit Emissionslizenzen geebnet. Im Vorfeld kam es zu Auseinandersetzungen um und die Verteidigung von Landrechten zwischen dem Nationalstaat und indigenen Gemeinden, die im Verlauf des Projektes kontinuierlich weiter verhandelt werden. So ruft das CO2-Projekt weitreichende politische und ökonomische Beziehungen hervor und verlangt ein immerwährendes Einordnen der daraus entstehenden Strukturen und Bedeutungszuschreibungen der Beteiligten in lokale Kontexte.

Im Rahmen meiner Dissertation möchte ich herausfinden, wie Treibhausgase als soziale Akteure in diesen Netzwerken agieren, welche Verbindungen sie hervorrufen und stärken, wie Hierarchien verhandelt werden und wie spezifisches Wissen entsteht und transferiert wird. Darüber hinaus sollen die Sichtweisen auf die Gase selbst eine zentrale Rolle spielen, die durch die Kommodifizierung des Rechts auf ihren Ausstoß erst sichtbar geworden sind.

 


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